Yoga & Atmung
Atmung begleitet uns jeden Moment – und doch schenken wir ihr im Alltag oft kaum Aufmerksamkeit. Im Yoga wird sie zu einem bewussten Werkzeug: Sie verbindet Bewegung mit Präsenz und hilft uns, tiefer im Körper anzukommen. Schon kleine Veränderungen in der Art, wie wir atmen, können große Wirkung haben.
Durch ruhige, gleichmäßige Atmung wird das Nervensystem sanft reguliert. Stressreaktionen dürfen sich lösen, der Körper kommt aus dem „Tun-Modus“ in einen Zustand von mehr Ruhe und Klarheit. In dynamischen Yogastunden unterstützt die Atmung fließende Bewegungen und schenkt Stabilität, während sie in ruhigeren Einheiten dabei hilft, Spannung loszulassen und feiner zu spüren.
Besonders im Zusammenspiel mit der salzhaltigen Luft bei uns im Salt Yoga Vienna Studio wird Atmung oft als noch freier und tiefer wahrgenommen.
Fünf bekannte Atem-Übungen (Pranayama) und ihre Wirkung
1. Ujjayi-Atmung
Bei der Ujjayi-Atmung wird durch die Nase ein und ausgeatmet, während der Rachenraum leicht verengt ist – ein leises, gleichmäßiges Atemgeräusch entsteht. Ähnlich was das rauschen des Meeres.
Wirkung:
Ujjayi hilft, den Atem zu vertiefen und zu verlangsamen. Sie unterstützt die Konzentration, stabilisiert den Rhythmus von Bewegung und Atmung und wirkt ausgleichend auf das Nervensystem. Besonders in Vinyasa-Stunden schafft sie innere Ruhe trotz Bewegung.
2. Nadi Shodhana (Wechselatmung)
Die Wechselatmung wird abwechselnd durch das linke und rechte Nasenloch praktiziert – langsam, bewusst und ohne Druck. Rinfinger und Daumen der rechten Hand werden hierfür verwendet. Daumen für das rechte Nasenloch, Ringfinder für das linke Nasenloch.
Wirkung:
Nadi Shodhana wirkt harmonisierend auf das autonome Nervensystem. Sie kann helfen, innere Unruhe zu reduzieren, den Geist zu klären und ein Gefühl von Ausgeglichenheit zu fördern. Viele erleben sie als zentrierend und mental ordnend.
3. Verlängerte Ausatmung
Hier wird die Ausatmung bewusst etwas länger gestaltet als die Einatmung – ganz sanft und natürlich.
Wirkung:
Eine verlängerte Ausatmung aktiviert den parasympathischen Teil des Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Sie kann helfen, Stressreaktionen abzubauen, den Herzschlag zu beruhigen und ein Gefühl von Sicherheit im Körper zu fördern.
4. Sanfte Bauchatmung (Zwerchfellatmung)
Die Atmung fließt tief in den Bauchraum, das Zwerchfell bewegt sich frei, Brust und Schultern bleiben entspannt.
Wirkung:
Diese Atemform unterstützt eine effizientere Sauerstoffaufnahme und fördert ein ruhiges Atemmuster. Sie wirkt beruhigend auf das Nervensystem und kann helfen, Spannungen im Oberkörper und Nackenbereich zu lösen – ideal für ruhige Yogastile und Regeneration.
5. Anuloma Viloma (Wechselatmung mit Atemhaltephase)
Bei Anuloma Viloma wird abwechselnd durch ein Nasenloch eingeatmet, der Atem kurz gehalten und anschließend durch das andere Nasenloch langsam ausgeatmet. Danach wird die Richtung gewechselt. Rinfinger und Daumen der rechten Hand werden hierfür verwendet. Daumen für das rechte Nasenloch, Ringfinder für das linke Nasenloch. Man kann ca 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden den Atem anhalten, und 8 Sekunden ausatmen. Wenn das gut funktioniert kann man den Atem länger anhlaten, zu erst mal 8 Sekunden, dann 10, und vielleicht irgendwann 16 Sekunden.
Wirkung:
Diese Atemtechnik unterstützt eine tiefe Beruhigung des Nervensystems und fördert Konzentration und innere Stabilität. Durch das bewusste Wechseln der Atemseiten wird die Aufmerksamkeit nach innen gelenkt und ein Gefühl von Ausgleich und Klarheit geschaffen. Die kurze Atemhaltephase kann helfen, die Atemwahrnehmung zu vertiefen und den Geist weiter zu sammeln – besonders hilfreich bei mentaler Unruhe oder Stress.
Atmung als täglicher Begleiter
Pranayama muss nicht kompliziert sein, um wirksam zu sein. Schon wenige bewusste Atemzüge können den Unterschied machen – zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Reaktion und Präsenz. Yoga lädt uns ein, den Atem wieder als natürlichen Verbündeten wahrzunehmen – einen, der uns durch Bewegung, Ruhe und den Alltag begleitet.